Gedankenweg in ein bezauberndes Land

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  • auf Hausdach

"Darf ich mich mit Ihnen bzw. dir auf den Gedankenweg in ein bezauberndes Land machen? Dieses Land hat seinen eigenen Geruch, seinen langsamen Takt, sonnenerfüllte und bunte Tage und vor allem Menschen, die es auszeichnet.

Ich spreche von Indien und genau in diesem Land durfte ich für sieben Monate leben. Ich muss zugeben, es ist dort einfach so anders, gerade wenn ich jetzt hier wieder in Deutschland sitze und diese Worte in den Computer tippe...

Im Süden Indiens in der traditionellen Stadt Madurai ist ein CVJM, in dem ich mit zwei anderen deutschen Mädchen gearbeitet habe. Der CVJM hat dort viele soziale Projekte, doch mir ist meine Arbeit mit behinderten Kindern am meisten ans Herz gewachsen. Wir waren in einer Schule mit 80 überwiegend geistig behinderten Kindern und gemeinsam mit den Lehrerinnen haben wir versucht, ihnen einfache Dinge des Lebens beizubringen.

Diese Aufgabe glückt an manchen Tagen besser als an anderen, weil unsere Kinder manchmal Früchte, Tiere und Zahlen super spannend finden, aber nicht immer ;-) . Was aber an jedem Tag galt, war, dass gelacht wurde und wir alle für die Kinder da waren. Für mich persönlich waren die Arbeit und das Leben in Indien so bereichernd.

Auch wenn oder gerade weil diese Kinder so wenig haben und das noch dazu mit so jungen Jahren, haben sie mich viel gelehrt. Wahrscheinlich haben sie mir mehr beibringen können, als ich ihnen. Eines der vielen gelehrten Dinge ist die nahezu grundlose Dankbarkeit. Das mag vielleicht banal klingen, aber wenn wir uns unser Land einmal genauer anschauen, wäre ein bisschen mehr Dankbarkeit sehr wünschenswert.

Wir müssen auch gar nicht auf unser Land schauen, es reicht schon der Blick auf unser eigenes Leben und gerade wir als Christen haben so viel Grund für Dankbarkeit. Was in Indien noch so schön ist, ist dass Menschen anfangen zu grinsen, zu lachen oder auch in seltenen Fällen zu singen und tanzen- das wär doch was?!

Mich hat Indien durch die Menschen bewegt, ein Beispiel waren diese lebensfrohen und authentischen Kinder. Doch auf eine andere Weise haben mich die Kultur und Natur so sehr fasziniert. Es gab so einige Momente, in denen ich über die Vielfalt des Landes nur staunen konnte. Ob es die Schönheit der Natur in Palmenwäldern, in den Bergen oder in der Wüste war oder das in den Fluss Springen hinterm  Haus, das gemeinsame Essen auf dem Boden oder die riskanten Rickshawfahrten - es war begeisternd.

Ich bin dankbar für das, was ich erleben durfte und was so schwer fällt in Worte zu fassen. Dieses halbe Jahr, diese kurze und lange Zeit zugleich, will ich nicht missen. Mir tat es sehr gut,  Leben so weit weg vom Gewohnten kennen zu lernen und das Erstaunliche ist, dass das Gewohnte danach sich gar nicht mehr so gewohnt anfühlt.

So dreht Jesus das einfach, bringt meine Sichtweisen durcheinander, aber gibt mir auch wieder eine neue Richtung. Ich glaube, er dreht und bewegt viel und egal in welchem Land oder in welcher Situation, er ist es, der die Übersicht behält."


Judith Berneburg verbrachte ihren Freiwilligendienst vom September 2010 bis Februar 2011 in Madurai, Indien. Dieser Freiwilligendienst wurde durch das weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Mehr Infos zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des CVJM findet ihr hier.

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