"Wanakam" aus der Ferne

(„Wanakam“ heißt so viel wie „Guten Tag“)

Ab September 2009 leisteten Eva Herrmann und Marisa Vögele aus dem CVJM Baden einen Freiwilligendienst beim YMCA Madurai in Indien ab. Im Folgenden berichten sie, wie es Ihnen erging und was sie dort machten:

„Wir befinden uns jetzt in einem Prozess, den wir an dieser Stelle mal „Indianisierung“ nennen. Bei allerspätestens 23°C fangen wir an zu frieren, wir wackeln auf indische Weise mit dem Kopf und ziehen selbst die indischen Süßigkeiten, die wirklich extrem süß sind, den sonst so geliebten Schokokeksen vor. Wir schrecken nicht einmal mehr vor dem schärfsten Essen und dem „Matschen“ mit den Händen zurück. Außerdem befinde ich mich in den blutigen bzw. nassen Anfängen zu lernen, wie man das Wasser ohne, dass die Flasche den Mund berührt, in den selbigen hineinschüttet. Eva beherrscht diese Kunst mittlerweile um einiges besser als ich. Aber um auch etwas Positives über mich zu schreiben, bei mir sieht der von den indischen Frauen bevorzugte Mittelscheitel einfach besser aus (das liegt an Evas Stufenschnitt).

Da ihr euch bestimmt nicht vorstellen könnt wie so ein Alltag in Indien aussieht, erzählen wir euch mal, wie ein solcher für uns abläuft. Allerdings gestaltet sich diese Sache etwas schwierig, denn einen Alltag, wie wir ihn gewohnt sind, gibt es hier einfach nicht. Andauernd sind hier irgendwelche Feste, Feierlichkeiten oder Gedenktage. Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, wenn man um zwei Uhr morgens aufwacht, weil gerade eine Parade an unserem Haus vorbeizieht. Man weiß am Tag zuvor nie so genau, wie der nächste aussehen wird oder ob man überhaupt zur Arbeit gehen muss und nicht gerade ein spontaner Feiertag angesagt wurde.

Hier jedoch der Ablauf eines „normalen“ Tages:

Wenn unser Yogalehrer nicht gerade fern bleibt, beginnen wir den Tag um 6:30 mit einer Stunde indischem Volkssport. Bis wir um ca. 8:40 frühstücken, ist meist Stille Zeit angesagt oder wir schlafen noch ´ne Runde. Um 9:15 bringt uns eine Autorikscha zu der Schule für geistig Behinderte, wo wir Montag bis Freitag bis ca. 15.00 mitarbeiten, was je nach Verkehrssituation 5 –10 Minuten dauert. Nur am Montag fahren wir erst nach der wöchentlichen kurzen Besprechung für die YMCA-Sekretäre. Der Nachmittag wird mit Vorbereitungen, Einkaufen, privaten Dingen oder unserer YMCA-Familie verbracht. Zwischen 19:00 und 20:00 essen wir mit unseren dänischen Freiwilligen zu Abend, denn diese arbeiten von 14:30 bis 19:00 in einer Art Hausaufgabenbetreuung für Slumkinder und so können wir uns nur abends und am Wochenende sehen. Unsere Abendgestaltung ist variabel. Über unsere beiden Projekte hinaus haben wir die Möglichkeit überall mitzuarbeiten. Samstags spielen wir von 16:00 bis 19:00 mit Waisen- und Slumkindern. Der Sonntag steht uns meist frei zur Verfügung, allerdings ist nichts mit Ausschlafen, denn unser Gottesdienst in der einzigen englischen Gemeinde der Stadt beginnt schon um 7:30 Uhr. In dieser Stadt und in unserem YMCA ist immer etwas geboten ist, so kommt nie Langeweile auf.

Auch in unserer Schule gibt es täglich etwas Besonderes. Allgemein haben wir uns aber schon ganz gut eingelebt und unsere Geduld, Liebe und Begeisterung für die behinderten Kinder, wachsen von Tag zu Tag. Es ist schwer zu beschreiben, was wir dort ganz konkret machen, denn es sind viele kleine Dinge, in denen wir den Kindern und somit auch den Lehrerinnen zur Seite stehen. Sei es nun die Unterstützung beim Stift halten, Essen, Händewaschen oder anderen alltäglichen Dingen, einfach nur kuscheln, spielen oder singen.“

Eva und Marisa blieben bis Ende Februar 2010 in Madurai. Ihr Freiwilligendienst wurde durch das weltwärts-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Mehr Infos zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des CVJM findet ihr hier.