Das Straßenmädchen Miriam

Tanzgruppe
Die Tanzgruppe der Straßenkinder
Chef
Der Leiter der Straßenkinderprogramme

Straßenkinder in Santo Domingo - Projekt Nr. 230

Miriam ist 12 Jahre alt, sie bezaubert durch ein strahlendes Lächeln. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester kam sie aus Panama in die Dominikanische Republik. Vor 3 Jahren befand sich die kleine Familie in einer hoffnungslosen Situation. Der Vater war gestorben und die Mutter hatte noch keine Arbeit in Santo Domingo gefunden. Die Mutter hatte aufgegeben und die Kinder trieben sich in zerlumpten Sachen hungrig auf der Straße herum.

In das Straßenkinderprogramm des ACJ (Asociación Cristiana de Jóvenes) wurden erst die beiden Kinder integriert, die Mutter konnte später ebenfalls dafür gewonnen werden. Jetzt geht Miriam wieder zur Schule und tanzt im Straßenkinderprogramm des ACJ. Uns deutschen Besuchern soll eine Kostprobe von den Tänzerinnen und Tänzern dargeboten werden.

Herzlich werden wir im Hauptgebäude des CVJM in Santo Domingo willkommen geheißen. "Bienvenidos" und "Viva Alemania" heißt es auf dem Pinboard des Versammlungsraumes. Ca. 40 Jugendliche wollen sich gemeinsam mit uns eine Tanzvorstellung der Straßenkinder ansehen. Wir setzen uns im Kreis auf und bilden das Publikum für die kleine Show, die uns nun geboten wird. In unsere Mitte tritt ein schmaler dunkelhäutiger Mann mit einer großen Trommel. Er stellt seine Tanzgruppe mit viel Engagement und Freude vor. Wenn ich auf der Straße diesem Mann begegnet wäre, wäre er mir sicherlich nicht aufgefallen.

Er setzt sich und beginnt die Trommel zu schlagen. Sechs zierliche, hübsche Mädchen, gefolgt von sechs größeren Jungen treten in die Mitte und beginnen, uns in anmutiger Weise die landesüblichen Tänze zu zeigen. Die Kostüme sind sorgfältig angefertigt worden. Und der Stolz blitzt aus allen Augen. Natürlich werden auch wir aufgefordert, mitzumachen. Das bereitete uns sehr viel Spaß. Nach dem Tanzen können wir uns noch mit den jungen Künstlern und dem engagierten Lehrer unterhalten.

Miriam tanzt nun schon 3 Jahre bei den Straßenkindern, ihr großer Traum wäre Tänzerin oder Sängerin zu werden. Die Mutter ist stolz auf ihre Tochter. Die Kostüme hat sie selbst genäht. Der ACJ hat  ihr und ihrer Tochter neue Lebensinhalte gegeben. Natürlich kann der ACJ das Problem der hohen Arbeitslosigkeit (ca. 30%) nicht lösen. Aber den Kindern geht es besser und auch die Erwachsenen finden eine Aufgabe.

Das Straßenkinderprogramm ist eine der Aktivitäten des ACJ, die unser besonderes Interesse weckt. Die Kinder wohnen auf der Straße oder lungern den ganzen Tag dort herum. Ihre Anzahl ist steigend. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Armut in Verbindung mit fehlender Kindererziehung und Verantwortungslosigkeit der Eltern. Häufig kommen aber noch Spannungen in der Familie bis zu Gewalt und sexuellem Missbrauch, mangelnde Ernährung, religiöse Orientierungslosigkeit und Hoffnungslosigkeit hinzu. Die Kinder fliehen von zu Hause oder suchen die Freiheit. Häufig gelangen sie aber hier in kriminelle Kreise oder verfallen der Drogensucht oder Prostitution.

Der ACJ versucht dem entgegenzuwirken. Die Kinder werden aufgesucht, ihr Interesse für Aktivitäten des Verbandes wird geweckt. Die Versorgung mit Kleidung, Nahrung und Vitaminen und regelmäßige ärztliche Untersuchungen gehören zum Programm. Kurse zu möglichen Berufen werden angeboten (z. B. Obstverkäufer, Schuhputzer, Maler).

Die Programme fördern aber auch kulturelle Aktivitäten wie z.B. das Tanzprogramm und sportliche Vergleiche, was zu einem sozialen Integrationsprozess führt. Mitarbeiter suchen die oft hilflosen Eltern auf und versuchen, sie ebenfalls zu integrieren. Andres Fortunato, der Generalsekretär des Verbandes, betont die Bedeutung der Präventivarbeit. Ihm ist es wichtig, die Kinder von der Straße holen, bevor es zu spät ist. Aufklärungen über AIDS und Drogen gehören zum Programm.

Bei unserem Besuch führt uns Andres zu den verschiedenen Einrichtungen des ACJ in der Hauptstadt. Das Hauptgebäude war 1998 durch den Hurrikan "George" zerstört und mit internationaler Hilfe wieder aufgebaut worden. Wir fahren zum "Centro educativo Don Julio Postigo" und zum Zentrum "La Yuca", 14 km von der Stadtmitte entfernt. Überall sehen wir Klassen mit ca. 36 Schülern - Nachwuchsprobleme gibt es hier nicht. 35% der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt.

Das Dorf Don Gregorio liegt 55 km südlich der Hauptstadt. Im ACJ-Zentrum befindet sich eine Schule für 450 Kinder. Die Wände sind erst frisch gestrichen worden, eine Aktion bei der auch die Dorfbevölkerung geholfen hat. Das Verhältnis zur Bevölkerung ist sehr gut, weil der ACJ nach dem letzten Hurrikan mitgeholfen hat, die Hütten der Einheimischen zu reparieren. Andres zeigt uns auch stolz die neu aufgebauten Hütten, die uns trotzdem noch aufgrund ihrer Ärmlichkeit erschrecken. Die Leute sind ihm sehr dankbar, das spürt man deutlich. Wir dürfen einige Fotos machen. Als nächstes Ziel liegt Andres die Alphabetisierung der Erwachsenen am Herzen.

Als wir die Dominikanische Republik verlassen, sind wir um viele Eindrücke reicher. Die Kontraste sind groß: Luxushotels und Tourismusboom auf der einen Seite, hungernde Straßenkinder auf der anderen. Andres Fortunato und der ACJ der Dominikanischen Republik werden weiter Hilfsprogramme anbieten und wir möchten sie dabei unterstützen.

Dr. Frank Eder


 

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