Eine neue Heimat für Flüchtlingskinder
YMCA Telavi/Georgien - Projekt Nr. 550
Viele Flüchtlingsfamilien in Georgien können nicht mehr zurück in ihre Heimat. Im georgisch-russischen Krieg verloren sie Haus und Habe und mussten in Großstädten wie Telavi Schutz suchen.
Maria ist 10 Jahre alt und wohnt mit ihrer Schwester, ihren Eltern und der Großmutter in einem 16 m2 großen Zimmer in einer Notunterkunft, einem überfüllten Hotel der ostgeorgischen Stadt Telavi. Vom Glanz des in der Sowjetzeit erbauten Hotels ist nicht viel übrig geblieben. Kinder spielen in der zerstörten Rezeption. Die Fahrstühle des 8-geschossigen Gebäudes funktionieren schon lange nicht mehr und das Obergeschoss musste wegen einbrechenden Wassers bereits geräumt werden.
Marias Vater ist Holzhandwerker und kann die Familie durch Gelegenheitsjobs gerade so über Wasser halten.
Die Arbeitslosigkeit beträgt allgemein 60%, unter den Flüchtlingen liegt sie bei fast 90%. Maria ist ein sehr begabtes Kind, sie geht in die staatliche Schule. Durch Abwanderung fehlt es auch hier an qualifizierten Lehrern, die kaum auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen können. Maria sitzt zwischen allen Stühlen. Ihre Familie möchte gern wieder zurück nach Abchasien und träumt noch von ihrem dortigen Besitz. Maria kennt diese Heimat nur aus Erzählungen ihrer Eltern.
Für Kinder wie Maria möchte der YMCA in Telavi eine Heimat aufbauen. Ein Ort der Wärme und der Zugehörigkeit. Sie sollen Gemeinschaft erleben und die Entfaltung ihrer von Gott gegebenen Gaben. Ein Ort wo sie über Ihre Sehnsüchte und über ihre Probleme und über den Glauben reden können.
Heimat bedeutet auch, sich verwurzelt fühlen in der Gesellschaft und ihrer Geschichte. Deswegen ist die Vermittlung der gemeinsamen Kultur eine wichtige Aufgabe, die der YMCA in seine Arbeit mit einbezieht. Die Mitarbeitenden und Jugendgruppenleiter haben die historischen und religiösen Kulturgüter der Hauptstadt besucht, waren zusammen im Kino und haben das landesweite Folklore-Festival miterlebt.
Vor einigen Monaten hat eine Schülergruppe ein Baseball-Spiel angeschaut und sich über die Spielregeln informiert. Inzwischen trainieren einige Jungen begeistert mit dem örtlichen "YMCA Iveria-Team".
Am 1. Juni, dem internationalen Tag des Kindes, wurde im Vergnügungspark mit 34 Kindern aus Flüchtlingsfamilien gefeiert. Diesen schönen Tag werden sie so bald nicht vergessen.
Um die Arbeit des YMCA Tiblisi in Georgien nachhaltig zu gestalten, werden junge Menschen ermutigt, selbst Verantwortung zu übernehmen und im YMCA mitzuarbeiten. Natürlich müssen sie darauf vorbereitet werden und erst lernen, wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen läuft. Dazu haben sich 14 Teilnehmende in Telavi und Ureki bei einem Seminar getroffen und viel in Workshops, Rollenspielen und praktischen Übungen gelernt.
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