Von Armut und Unterentwicklung hin zu Selbstbestimmung und Würde

Ausbildung im Töpfern
Ausbildung in Verarbeitung von Bananenfasern
Konstruktion eines Wasserspeichers

Ländliche Entwicklung im YMCA Mullankinavilai / Südindien - Projekt Nr. 410

Seit 1976 bietet der YMCA Mullankinavilai Hilfsangebote für die ländliche Bevölkerung im äußersten Süden Indiens an. Im Laufe der Jahre ist das Angebot immer größer geworden und spricht alle Altersgruppen der sozial benachteiligten Bevölkerung an.

Technische Ausbildung: Angesprochen sind junge Leute in einem Umkreis von ca. 15 km rund um Mullankina Vilai. Wenn die Schule abgeschlossen ist, die finanziellen Mittel aber nicht ausreichen, gibt es im YMCA die Möglichkeit, eine weiterführende Schulbildung zu durchlaufen oder eine Berufsausbildung machen. Mitarbeiter des YMCA gehen direkt in die Dörfer und sprechen die Jugendlichen an. Im vergangenen Jahr konnten 62 Jugendliche auf diese Weise im Ausbildungszentrum verschiedene Berufe wie Elektriker, Umgang mit PC, Schneidern, Medikamentenkunde, Krankenpflege usw. erlernen. Der YMCA unterstützt sie bei der Zahlung der Schulgebühren und der Fahrtkosten.

Schulprogramm: Fast 25 % der Familien auf dem Land hat keine Möglichkeit, die Kinder zur Schule zu schicken, weil die Schulgebühren ihnen zu hoch sind und die Schulwege zu weit. Der YMCA schickt ihnen daher Lehrer in die Dörfer, wo die Kinder im Freien unter Schatten spendenden Bäumen, die auch als Tafelhalter dienen, unterrichtet werden. Wenn es regnet, zieht man einfach auf die Veranda eines Hauses wohlhabenderer Eltern um. Inzwischen gibt es drei solcher "Schulen" . In 23 Dörfern gibt es täglich Nachmittagsunterricht für 2 Stunden mit ca. 255 Schülerinnen und Schülern. Dort wird Nachhilfe für schwache Schüler geleistet und es werden ethische und moralische Fragen mit den Kinder angesprochen - also ganzheitliche Bildung für Körper, Geist und Seele.

Für die größeren Kinder gibt es Lehrer, die ehrenamtlich für die Gemeinde arbeiten. Sie organisieren ein Schulzentrum für 10-20 Kinder. Jede Lerngruppe hat morgens oder nachmittags zwei Stunden Unterricht. Richtige Klassen gibt es nicht, da es auch ältere Kinder und Erwachsene gibt, die ein niedriges Bildungsniveau haben und deswegen mit Jüngeren in einem Kurs sitzen. Die Schüler zahlen einen Unkostenbeitrag von umgerechnet 10 bis 20 Ct für den Lehrer.

200 solcher Schulzentren sind in den letzten Jahren entstanden. Die Lehrer geben dem YMCA monatlich  Rückmeldung über ihre Arbeit, der ihnen auch Zuschüsse für Essen und Fahrtkosten gewährleistet. Derzeit werden weitere Lehrer für diese Arbeit vorbereitet, damit möglichst alle Gebiete flächendeckend erreicht werden können.

Für Frauen mit unvollständiger Schulausbildung und Schulabbrecher werden außerdem 6-monatige Trainingsprogramme für einfache Berufsausbildungen angeboten.  Die Einrichtung von 15 Kleinbüchereien in den Häusern von freiwilligen Helfern ist ein weiterer Schritt zu dem Ziel: Bildung für alle, auch in den entlegensten Dörfern.

Selbsthilfegruppen/Frauenförderung/Kleinkreditprogramm: Dieses Programm ist besonders an Frauen gerichtet. Hauptanliegen der YMCA-Arbeit ist, die Menschen zu eigenverantwortlichem  Tun hinzuführen. Von 200 Frauen, die in den umliegenden Dörfern leben, nehmen bereits 160 an diesen Selbsthilfegruppen teil.

Die Selbsthilfegruppen werden von Frauen geleitet, die parallel dazu im YMCA regelmäßig Kurse besuchen, um sich fortzubilden. Zeitweise werden sie auch in umliegende größere Städte geschickt, um dort an besonderen Trainingsprogramme teilzunehmen, z.B. in medizinischer Betreuung und Beratung. Es hat sich herumgesprochen, was rund um Mullankina Vilai für Frauen getan wird, und so drängen auch aus den Gebieten die außerhalb des oben erwähnten 15 km-Radius liegen, Frauen in den YMCA. Das bedeutet eine neue Herausforderung für die Arbeit des YMCA und ist zugleich ein großer Erfolg.

Für Witwen bietet der YMCA ein gutes Förderprogramm an. Witwen haben in Indien kaum Überlebenschancen, wenn sie keinen männlichen Verwandten haben. Jüngere Witwen können eine Berufsausbildung durchlaufen, den älteren hilft der YMCA durch finanzielle Unterstützung, Essensausgabe und Kleiderspenden.

Mitarbeitertraining: Diese hervorragende Arbeit ist nur deswegen von den Mitarbeitern leistbar, weil sie mit vollem Engagement arbeiten. Damit dieses nicht abflaut, ist eine intensive Mitarbeiterbetreuung und regelmäßiger Austausch notwendig. Pro Woche ist ein Tag nur dafür reserviert; im YMCA findet Supervision statt. Man legt sich auf eine gemeinsame Linie fest und die Arbeit für die kommenden Wochen oder Tage wird besprochen. Da diese Arbeit viel Geld kostet, agieren die Mitarbeiter und die Lehrer auch zur Mitgliederwerbung.

Umwelt-, Wohn- und Gesundheitsprogramm: "Wasser ist flüssiges Gold", besonders in der heißen Region Südindiens, wo den ganzen Sommer über kein Tropfen Regen fällt. An dieser Stelle wird offensichtlich, warum das Bildungsprogramm für Erwachsene nicht bei der Alphabetisierung stehen bleiben darf. Die Projekte zur Umweltbildung sind im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Mitisterium sehr verstärkt worden. Die Menschen müssen verstehen lernen, z. B. sparsam mit Wasser umzugehen, Wasserspeicher für den Sommer zu nutzen und benutztes Trinkwasser noch für andere Dinge zu verwenden. Ferner wird der Zusammenhang zwischen offenen Latrinen, Moskitoplage und den daraus resultierenden Krankheiten erklärt. Der YMCA hat dafür sorgen können, dass nun fast 80% der Familien im Umkreis von 15 km eine eigene Toilette hat. Auch hierzu diente das Kleinkreditprogramm des YMCA, um den Gemeinden Kredite zu ermöglichen, die so klein sind, dass sie sie auch wieder abbezahlen können.

DANK: Ohne externe Hilfe könnte der YMCA nicht ein so umfangreiches Programm aufstellen. Durch viele Schwierigkeiten hindurch aber auch mit viel Freude an der Arbeit für die Menschen sehen sie neuen Herausforderungen entgegen. Dank allen, die die Arbeit über viele Jahre unterstützt haben. Wir wünschen uns, dass diese Unterstützung auch weiterhin möglich ist.

Zusammengefasst aus einem Bericht von Dr. Mathias,
Generalsekretär des YMCA Mullankinavilai.

 

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