Projekt Nr. 112: Mädchenförderung

Schulmädchen aus Thiruvadanai
Schulversammlung

Bessere Zukunft für Mädchen aus ländlichen Gebieten

Mädchen sind in Indien im allgemeinen schlechter gestellt als Jungen. Auf Grund der in Indien üblichen Mitgift, die die Eltern bei der Heirat ihrer Tochter aufbringen müssen, stellen sie für die Familien eine große Last dar. Zahlreiche Mädchen mittelloser Familien sind Opfer des modernen Menschen- oder Organhandels, werden in die Prostitution verkauft oder müssen sich als billige Haushaltshilfen verdingen.


Unser Partner, der SAC-CCC (South Asia Council for Community & Children in Crisis), kümmert sich um diese Mädchen. In Heimen werden die Mädchen versorgt und beschult. Die Unterbringung in Heimen ist notwendig, weil die Mädchen zu Hause im Vergleich zu ihren Brüdern sehr viel schlechter behandelt und ernährt werden. Jungen stellen in Indien für die Eltern gewissermaßen die Altersversorgung dar und werden daher ganz besonders unterstützt. 


In den Heimen sind die Mädchen geschützt vor Kinderarbeit, Vernachlässigung und Missbrauch. Sie lernen Körperpflege, Hygiene und werden angehalten zu selbstbewusstem und verantwortlichem Denken. Mädchen aus sehr armen Gegenden und  aus kinderreichen Familien, vor allem aber auch Voll- oder Halbwaisen, die lernmotiviert sind, erhalten bevorzugt einen Heimplatz. Damit werden sie vorbereitet auf ein späteres Berufsleben, was ihnen den Weg ebnet zu Eigenständigkeit und Ansehen.

Tanzunterricht
Schulklasse aus Muttathur

 

Hintergründe

Thiruvadanai und Muttathur, die Gemeinden, in denen Mädchenförderung stattfindet, liegen 100km von Madurai, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu, entfernt. 15km weiter befindet sich eine wundervolle Meeresküste am Indischen Ozean, die einst bevorzugtes Reiseziel der Könige war. Die Gegend ist von der Regierung des Bundesstaates Tamil Nadu als dürregefährdete Zone deklariert worden.

95% der Bevölkerung dort leben von der Landwirtschaft. Der Monsun ist die einzige Wasserversorgung für die Felder. Da der Monsun manche Jahre ausbleibt, leidet die Landwirtschaft sehr darunter. Die meisten Familien siedeln in andere Regionen über und verdingen sich in Steinbrüchen, wo sie unterbezahlt sind. Diese Familien gehören den untersten Kasten an und sind wirtschaftlich und sozial vollkommen benachteiligt. Sie haben keine andere Möglichkeit als alle sich bietenden Gelegenheitsarbeiten anzunehmen. Es gibt viele Auseinandersetzungen zwischen ihnen und anderen Kastenangehörigen. Hauptopfer sind Jugendliche, die die Schule abgebrochen haben. Und da gibt es leider eine ganze Menge.
In diesen ländlichen Gegenden gibt es so gut wie keine Transportmöglichkeiten. Die Menschen leben in Strohhütten ohne Ventilation, Elektrizität oder anderen Annehmlichkeiten. Die meisten Familien können kaum für eine Mahlzeit pro Tag sorgen.

Warum ist die Unterbringung in Heimen sinnvoll?
Die Kinder sind sehr motiviert aber verletzlich. Sie sind neugierig, aktiv und voller Hoffnung.
Dennoch werden Kinderspiele schnell im Keim erstickt und die Kinder wachsen in zu frühe Verantwortung und Verpflichtung hinein. Die Armut und Unterentwicklung der Eltern erlaubt es den Kindern nicht, sorglos aufzuwachsen. Besonders Mädchen wird in armen Familien kaum Aufmerksamkeit gewidmet, da sie als potentielle Altersversorgung der Eltern nicht zur Verfügung stehen, sondern wegen der in Indien üblichen Mitgift bei einer Hochzeit sogar noch ein Kostenfaktor für die Familien darstellen. Das war unser Hauptgrund, dieses Heim zu eröffnen.
Die Kindheit sollte freudiges Lernen, friedliches Aufwachsen und harmonisches Leben beinhalten. Ihr Leben sollte mit angemessener Sozialisation und Bildung beginnen.

Dr. Samuel Issmer
Projektleiter
SAC-CCC Bangalore

 

 

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