Straßenkinder in Bogotá

Jugendgruppe in Ciudad Bolivar
Blick auf Bogotá

Bogotá, Kolumbien - Projekt Nr. 220

"Zukunftstheater" - Jugendliche in Ciudad Bolivar

Jaime, Oscar und die beiden Christians sind Mitglieder einer Jugendgruppe in der ACJ Ciudad Bolivar. Zusammen mit ihrer Jugendleiterin Lili treffen sie sich dreimal in der Woche um kleine Theaterstücke zu erarbeiten und für ihre Auftritte bei ganz unterschiedlichen Anlässen zu proben. Ihre Theaterstücke haben immer etwas mit ihrem eigenen Leben und ihrem Lebensumfeld zu tun. Sie wollen anderen zeigen, dass man im Leben immer eine andere Wahl hat, dass man selbst Dinge bewegen und ändern kann. Die ACJ unterstützt sie durch persönliche Begleitung und Schulungsangebote.

Mit leuchtenden Augen und voller Begeisterung berichtet Jaime von dem Camp des ACJ, an dem sie alle vor kurzem teilgenommen haben. Das sei eine "super Zeit" gewesen, das Beste, was er je erlebt hätte. Man müsse immer wieder sein Herz prüfen. Stolz berichtet er von seinem Plan, in seinem Wohngebiet mit anderen Jugendlichen einen kleinen Fußballplatz zu errichten.

Für Christian ist die Zeit in der ACJ immer etwas ganz Besonderes. Normalerweise arbeitet er als Kontrolleur im Bus seines Vaters mit, das heißt er muss die Fahrgäste abkassieren. Weil sein Vater es gut findet, dass Christian durch die ACJ viel ausgeglichener und zufriedener ist, erlaubt er dem Sohn, regelmäßig hierher zu kommen. Das kleine Kreuz um seinen Hals hat für ihn eine tiefere Bedeutung als nur ein Schmuckstück, das merkt man ihm an.

Ciudad Bolivar ist ein Stadtteil am Rande der 7-Millionen-Metropole Bogotá. Allein hier wohnen offiziell über 450.000 Menschen in wiederum 300 Stadtvierteln. Die meisten von ihnen sind Bürgerkriegsflüchtlinge. Unzählige kleine Holz- und Blech- und Steinhütten winden sich an den Berghängen hinauf. Befestigte Straßen gibt es nur wenige - ebenso wie Autos - aber dafür Busse in allen Größen, deren Abgaswolken deutlich sichtbar sind.

Fast ein Viertel der Bevölkerung Bogotás ist zwischen 14 und 16 Jahren alt und 16 % der weiblichen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren sind bereits Mütter. Die Hälfte aller Jugendlichen ist ganz offiziell arm, ein Viertel von diesen lebt sogar noch unterhalb der Armutsgrenze.

 

Sie möchten dieses Projekt konkret unterstützen oder sich näher informieren?

Überlebenskünstlerinnen – die Mütter

Diana und Kinder

Seit 15 Jahren arbeitet die ACJ im Stadtteil Victoria (Bogotá). Das besondere Augenmerk gilt hier der Arbeit mit Familien und dabei insbesondere den Müttern. Denn die Mutter ist in dieser Gesellschaft in der Regel die wichtigste Person der Familie. Sie kümmert sich um die Kinder und das Haus, sie ist die wahre Überlebenskünstlerin.

Das Konzept der ACJ ist einfach und wird durch ein Team von Sozialarbeitern und Psychologen der ACJ erfolgreich angewandt. Es geht zunächst darum, die häuslichen Gewohnheiten in den Familien positiv zu verändern. Durch Seminare und Theaterspielen wird die Familiengeschichte aufgearbeitet. Viele Frauen sind Opfer von Gewalt, Missbrauch und Unterdrückung, haben kaum noch Selbstwertgefühl. Das Bildungsniveau ist gering. Langsam wird ein Vertrauensverhältnis zu den Mitarbeitern der ACJ aufgebaut. Als Abschluss dieser Phase gilt es, mit einem "Projekt des Lebens" zu beginnen, zu fragen: Wer bin ich? Welche Träume habe ich? Was sind meine nächsten Schritte? Was hat sich in meinem Leben geändert?

Die Frauen werden befähigt ihr Leben selbst zu verändern. Die ACJ bietet ihnen verschiedene handwerkliche Kurse wie Kochen, Backen, Nähen, Schmuckherstellung, aber auch Bewerbungsseminare zur Stellensuche oder zur Organisation von Heimarbeit. Durch diese Angebote werden die Frauen befähigt, selber ein Einkommen zu erwirtschaften und damit unabhängiger zu sein. Im Laufe dieses Prozesses finden sich auch immer wieder Frauen, die dann ihre Erfahrungen als Multiplikatorinnen an andere weitergeben.

Mit Fernanda, einer Psychologin der ACJ, besuchen wir Diana, eine Teilnehmerin dieses Programms. Hoch oben am Bergrand, wo ein kühler Wind weht, bewohnt Diana mit ihrer Familie zwei Zimmer in einem kleinen Haus. Die Kochstelle und den Waschraum teilen sie sich mit anderen Familien. Wir sitzen auf den zwei Betten im Zimmer der Kinder: Lili (14 Jahre), Guillermo (12 Jahre) und Oscar (7 Jahre). Die beiden Jungen müssen sich ein Bett teilen, das Bett von Lili ist auf Raten gekauft. Diana berichtet, dass ihr Mann als Nachtwächter in der Stadt arbeitet und daher oft nicht zu Hause ist.

Für sie war das alles sehr schwer, lange hatte sie nur Gelegenheitsjobs und musste ihre Kinder oft allein zu Hause lassen. Als sie merkte, dass sich ein Mann an ihre kleine Tochter heranmachen wollte, blieb sie fortan zu Hause. Aber das Zusammenleben in den ärmlichen Verhältnissen war schwierig, sie kam mit ihren Kindern nicht mehr klar, sie waren kurz davor, auf der Straße zu landen und aus Verzweiflung schlug sie sie dann auch. Diana bekannte, dass sie sich sogar das Leben nehmen wollte.

Dann lernte sie durch eine andere Frau die ACJ kennen. Durch die psychologische Begleitung der ACJ hat Diana ihre Probleme in den Griff bekommen. Über eine gute Ernährung, über die Gesundheit habe sie viel gelernt, über die Gemeinschaft in der Familie. "Meine Kinder haben mich geändert, sie motivieren mich zum Weiterleben" meint Diana mit Tränen in den Augen. Stolz berichtet sie von ihren Erfolgen im Nähkurs der ACJ. Alle drei Kinder gehen jetzt auch wieder zur Schule.

Auf die Frage warum ihnen das Haus "Hogar" der ACJ gefällt antwortet Lili: "Dort werde ich respektiert und beschützt. Ich habe dort Selbstvertrauen gewonnen. Das Missionscamp war ganz toll! Ich habe viel über Gott gelernt."

Und Guillermo: "Ich habe wieder einen Selbstwert und mir gefallen die vielen Angebote, besonders die Tanzgruppe!"

Oscar ist am wichtigsten: "Es gibt dort Essen, ich lerne viel, auch dass ich einen Wert in mir habe und nicht abhängig von anderen bin. Man kann sich hier mit anderen verbinden, wenn man Hilfe braucht."

 

Sie möchten dieses Projekt konkret unterstützen oder sich näher informieren?