Ausstellung

„25 Jahre Tschernobyl“

und

Super-GAU in Japan

In diesem Jahr am 26. April jährt sich die Katastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. Nach 25 Jahren gab es in Fukushima, Japan, einen erneuten Super-GAU. Zu diesem Anlass haben wir uns entschlossen die Ausstellung, die uns 1991 von mehreren weißrussischen Fotografen geschenkt wurde erneut der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Ausstellung zeigt Bilder aus Tschernobyl, die aufgrund der aktuellen Katastrophe in Fukushima in bizarrer Weise aktuell wirken. Die Ausstellung ist im Original über das CVJM-Friedensnetz kostenlos auszuleihen. Vorschau Ausstellung...(pdf, 1,1 MB)

Der im April 1986 freigesetzte radioaktive Fall-out betraf alle europäischen Länder. Durch Tschernobyl wurde folglich die mit technologischen Katastrophen verbundene grenzüberschreitende Bedrohung erstmals Realität. Tschernobyl löste daher bei vielen Menschen einen „anthropologischen Schock“ (Ulrich Beck) aus und wurde zu einer gängigen Metapher für globale Umweltkatastrophen und andere große gesellschaftlichen
Erschütterungen. Die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe sind gravierend. In Belarus, der Ukraine und Russland wurde eine Fläche von über 150 000 km² auf lange Zeit radioaktiv belastet. Zum Zeitpunkt der Katastrophe lebten in diesen Regionen etwa 7,2 Millionen Menschen, davon 2,2 Millionen in Belarus und 2,4 Millionen in der Ukraine. Für die Katastrophenbekämpfung wurden zudem über 600.000 gemeinhin als „Liquidatoren“ bezeichnete Menschen eingesetzt.

All diese Menschen sind langfristig erheblichen zusätzlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, die durch die Strahlenbelastung und ihre Begleitprobleme bedingt sind.

Die derzeitige Entwicklung in Fukushima, Japan lässt diese Fragestellung in einem sehr aktuellen Licht erscheinen. Auch die bereits 1992 im CVJM-Friedensnetz verfasste  Ratzeburger-Erklärung hat an Aktualität und Bedeutung nichts verloren.

„Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki, die zahlreichen Atomtest,
Störfälle in Atomkraftwerken und der Super-GAU von Tschernobyl haben zu
irreparablen Schäden bei Menschen und der Natur geführt. Die Leiden aller
Geschöpfe in den verstrahlten Gebieten und unsere Verantwortung als
Christinnen und Christen für die Schöpfung erfordern neben der Ächtung von
Atomwaffen auch den Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie.
Wir halten die weitere Nutzung der Atomkraft angesichts des Risikos dieser
Technologie für nicht tragbar. Mit Tschernobyl ist der Super-GAU Wirklichkeit
geworden. Damit ist es nicht mehr möglich, solch katastrophale Unfälle als reine
Spekulation abzutun. Ein weiterer verheerender Störfall ist nicht nur bei der
veralteten östlichen Technologie, sondern in jedem Atomkraftwerk möglich.
Wir halten bereits die biologische Wirkung von geringer Strahlung für
unabschätzbar. Zudem ist die Frage der Entsorgung von radioaktivem Material
ungelöst. Wir hinterlassen den folgenden Generationen eine strahlende Erblast.
Dies bedeutet eine neue Dimension der Gefährdung von Mensch und Natur.
Doch schon jetzt machen mögliche Alternativen dieses Risiko völlig unnötig. Die
effizientere Nutzung von Energie, sowie die verstärkte Förderung von
Erforschung und Nutzung regenerativer Energiequellen wie Sonne, Wind und
Wasser bieten auch einen Weg aus der Klimakatastrophe. Kernenergie
verhindert den Einstieg in die Energiewende und ist damit keine Lösung, sondern
Teil des „Klimaproblems“.
Der Ausstieg aus der Kernenergie bedeutet den Ausstieg aus der atomaren
Bedrohung und den Einstieg in einen verantwortlichen Umgang mit Energie.
Eine eindeutige Trennung zwischen ziviler und militärischer Nutzung der
Atomenergie ist nicht möglich. Mit der zivilen Nutzung werden Grundlagen für die
Herstellung von atomwaffenfähigem Material geschaffen. Wir fordern daher:
Ächtung von Atomwaffen
Ausstieg aus der Atomenergienutzung

Die Menschen haben den Auftrag bekommen die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Die Bewahrung der Schöpfung ist mit der Nutzung der Atomenergie nicht vereinbar.
Der CVJM in Deutschland kann so einen öffentlichen Beitrag zum 25. Jahrestag der Tschernobylkatastrophe und zur aktuellen Katastrophe in Japan leisten und so gemeinsam gegen das Vergessen und Verdrängen arbeiten.

Geleitwort zur Ausstellung

Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen!
Mt 5, 9
So sagt es Jesus in seiner Grundsatzerklärung, der Bergpredigt. Frieden ist mehr ist als die Abwesenheit von Krieg. Das hebräische Wort Schalom bedeutet umfassenden Frieden, Wohlergehen, Heil, Gerechtigkeit, Wiederherstellung und Versöhnung. Jesus selbst wird in der Vorausschau vom alttestamentlichen Propheten Jesaja als Friedensfürst angekündigt. Sein ganzes Wirken war ein Ausdruck dieses göttlichen Schalom. In den Heilungen und Befreiungen von bösen Mächten zeigen sich sein Wille und seine Macht, den Menschen den Frieden zu bringen. So ist es gut und richtig, dass wir heute als seine Nachfolger uns dafür einsetzen, dass Frieden in unsere bedrohte Welt einziehen kann. Dazu gehört auch das Benennen dieser Bedrohung und die Darstellung der Folgen des menschlichen Autonomiestrebens.

Das CVJM-Friedensnetz präsentiert diese Ausstellung aus der Verantwortung vor Gott, dem Schöpfer und in der Spur des Friedensstifters Jesu. Sie ist eine Mahnung und ein Ruf zur Umkehr. So wie im persönlichen Bereich sind auch wir als Gesellschaft zur Umkehr, zu neuer Ehrfurcht vor Gott und neuem Glauben gerufen. Die eindrücklichen und mahnenden Bilder dieser Ausstellung sprechen für sich. Sie sind ein Aufruf an uns, im Namen von Jesus den Weg des Friedens, den Weg des Schalom, zu gehen.

Dr. Roland Werner, Generalsekretär CVJM Gesamtverband in Deutschland