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CVJM-Gesamtverband in Deutschland e. V.

Berliner Gespräche vom 8. bis 10. März 2006

Vom 8. bis 10. März 2006 haben die ersten Berliner Gespräche diesen Jahres stattgefunden, an denen 23 CVJM-Mitarbeitende teilnahmen.

Das Thema Israel/Nahostkonflikt stand bei Veranstaltungen in der Israelischen Botschaft und mit Hermann Gröhe, dem Nahostexperten der CDU/CSU-Fraktion, auf dem Programm.
Die angesprochenen Fragen reichten von der Zukunft des Nahostfriedensprozesses, angesichts des Hamas-Wahlsieges in den Palästinensergebieten, bis zum Atomkonflikt mit dem Iran, zur Situation im Irak bis zum wachsenden Islamismus in einigen Ländern des nahöstlichen Raumes.

Mit dem früheren Wirtschaftsstaatsekretär Dr. Heinrich Kolb, der den Arbeitskreis Sozialpolitik der FDP-Fraktion leitet, diskutierten die Teilnehmenden Fragen der Jugendarbeitslosigkeit und der Ausbildungsplatzsituation in Deutschland.
Dr. Kolb wies darauf hin, dass sich die Ausbildungsplatzsituation in wenigen Jahren dadurch entspannen werde, dass geburtenstarke Jahrgänge das Rentenalter erreichen und geburtenschwache Jahrgänge die Schulen verlassen würden. Problematisch sei, dass viele Jugendliche die Schule verließen ohne die Voraussetzungen für eine Ausbildung erworben zu haben. Dieses Problem sollte seiner Meinung nach nicht mit Sondermaßnahmen bekämpft werden. Vielmehr müsse das Augenmerk darauf gelegt werden, dass solche Probleme überhaupt nicht erst entstünden.

Ehrenamt und Freiwilligendienste standen bei einem Gespräch mit dem SPD-Jugendpolitiker Jürgen Kucharczyk auf der Tagesordnung.
Kucharczyk, der einige Jahre Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses der Stadt Remscheid und Bürgermeister war, sagte, jede Stadtverwaltung sei gut beraten, wenn sie ehrenamtliches Engagement ernst nehme.
Er räumte ein, dass Politik nicht immer die Prioritäten so setze, wie es am ehesten dem Nachhaltigkeitsprinzip entspreche.
Letzteres sei aber besser, als das Geld mit der Gießkanne zu verteilen. 

Josef Winkler, bündnisgrüner Innenpolitiker und Kirchenbeauftragter seiner Fraktion, diskutierte mit der CVJM-Gruppe über den Islamismus in Deutschland.
Die große Mehrheit der Imame in Deutschland stehe unter Kontrolle des türkischen Religionsministeriums. Von ihnen gehe keine Gefahr aus. Die in Deutschland gewährte Religionsfreiheit habe freilich auch - und das bereits vor dem 11. September – dazu geführt, dass Deutschland für islamistische Gruppen sehr attraktiv als Rückzugsgebiet sei. Hier sei die Überwachung verschärft worden.
Zu den Mohamed-Karikaturen sagte Winkler: "Man muss nicht alles abdrucken, was man abdrucken darf."
Winkler sprach sich für christlichen und islamischen Religionsunterricht in den Schulen aus. In diesem Zusammenhang übte er heftige Kritik am in Berlin geplanten Ethikunterricht als Pflichtfach, das er als "Ethik für Arme" bezeichnete.

Bei einer Veranstaltung mit Ingrid Fischbach, Jugendpolitikerin und Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion, stand werteorientierte Jugend(verbands)arbeit im Mittelpunkt der Diskussion.
Ingrid Fischbach machte bei jungen Menschen eine neue Sehnsucht nach Werten aus. Toleranz, Respekt, Menschlichkeit, Nächstenliebe sind ihrer Meinung nach die wichtigsten Werte. Man müsse raus aus dem Individualismus, aus der Ellenbogenmentalität. Die Familie sei die Hauptquelle bei der Vermittlung von Werten an die nächste Generation. Aber auch Schule, sowie kirchliche und verbandliche Strukturen seien wichtig. Familien müsse man Hilfe zur Erziehung geben und man dürfe Familien, die Hilfe bräuchten, nicht stigmatisieren.

Hansjürg Drescher, ein ehemaliger politischer Häftling der DDR, führte die Gruppe durch die frühere Stasiuntersuchungshaftanstalt Berlin–Hohenschönhausen.
Er beendete die eindrückliche Führung mit dem Appell die Demokratie zu stärken. Bei allen Schwächen sei sie die einzige Gewähr dafür, dass es in Zukunft kein Hohenschönhausen mehr geben könne.

Ein nächtlicher Besuch der Reichstagskuppel rundete das Programm ab.

Zum Schluss waren sich die Teilnehmenden einig, wertvolle Einblicke in Politik erhalten und engagierte Politiker/innen kennen gelernt zu haben, die dem gewöhnlichen Fernsehzuschauer verborgen bleiben.

Diese Veranstaltung wurde gefördert aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes.