33. Deutscher Evangelischer Kirchentag
Das Referat Jugendpolitik im Zentrum Jugend
Das Referat Jugendpolitik war im Zentrum Jugend des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages mit drei Veranstaltungen vertreten.
Ich war dabei - Junge Leute fragen Zeitzeugen
Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maizière (CDU), gerade während des Kirchentages ein gefragter Gesprächspartner zum deutschen Engagement in Afghanistan, war gekommen, um sich an die Zeit vor über 20 Jahren zu erinnern, als er auf Bitte seines Cousins Lothar de Maizière in die DDR kam, um den ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der DDR zu beraten und beim Aufbau der Verwaltung zu unterstützen. Den ostdeutschen Teil seiner Familie habe er übrigens erst als junger Erwachsener kennengelernt, denn seine Eltern hatten DDR-Einreiseverbot, verfügt von den bundesdeutschen Behörden. Als er 1990 in die DDR kam habe er nicht danach gefragt, wie lange das dauern werde. Manchmal müsse man einfach Dinge tun, weil sie dran seien, so Dr. Thomas de Maizière, der nach dem Ende der DDR in Ostdeutschland blieb und verschiedene Regierungsämter in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen bekleidete, bevor er schließlich Kanzleramtsminister wurde.
Auch der sächsische Landesbischof Jochen Bohl ist erst nach der friedlichen Revolution nach Sachsen gekommen. Die ersten Kontakte in die DDR hatte er aber schon als junger Pfarrer geknüpft. Er sei dankbar für das politische Engagement von Christen während und nach der Wende. Er wünsche sich von Christen auch in Zukunft politisches Engagement und zwar in allen demokratischen Parteien.
Für Harald Bretschneider, der sein ganzes Leben in Sachsen verbracht hat, war der Dresdner Kirchentag ein Heimspiel. Hier war er in einer spannenden Zeit Landesjugendpfarrer, erfand die Friedensdekade und machte "Schwerter zu Pflugscharen" zu deren Symbol.
Der Brandenburger Pfarrer Steffen Reiche gründete im Herbst 1989 die Sozialdemokratische Partei der DDR gemeinsam mit anderen Freunden. Damals habe er noch nicht geahnt, dass er ein halbes Jahr später Mitglied der Volkskammer sein würde. Er sei dankbar dafür, dass damals Menschen mit politischer und Verwaltungserfahrung aus dem Westen, wie Thomas de Maizière, uneigennützig geholfen hätten.
Was ist Sache? - Junge Leute fragen Prominente
Bischof Alpe aus Lettland war der am weitesten gereiste Gast. Er bekam frühzeitig zu spüren, dass Christen in der atheistischen Sowjetunion unerwünscht waren. Konfirmandenunterricht und christliche Jugendarbeit waren verboten. Die Vorbereitung auf die Konfirmation erfolgte in zwei halbstündigen Treffen in einer Wohnung. Anfang der achtziger Jahre organisierte die lettische lutherische Kirche heimlich ein Jugendcamp. Im dritten Jahr lösten die Behörden das Camp auf, das daraufhin in Estland stattfand. Die Pfarrer arbeiteten ehrenamtlich und wurden in Wochenendkursen der Kirche ausgebildet. Inzwischen gibt es in Riga wieder eine theologische Fakultät, deren erster Absolvent Bischof Alpe war.
Der gebürtige Lipper Dr. Frank-Walter Steinmeier, der in Westfalen aufgewachsen ist und jetzt seinen Wahlkreis in Brandenburg hat, überraschte mit alten Verbindungen zwischen beiden Landstrichen. So seien in früheren Zeiten viele westfälische Bauern im Sommer in die Mark Brandenburg gegangen, um Ziegeln zu brennen, weil die kleinen Höfe nicht genug hergaben, um eine Familie zu ernähren. Zu Hause bewirtschafteten Frau und Kinder in der Zwischenzeit den Hof allein. Zur Ernte seien die Männer dann zurückgekommen. Der SPD-Faktionsvorsitzende würdigte den Beitrag der Christen für unsere Gesellschaft. "Wenn wir die gleichen Gesetze hätten, die wir jetzt haben, aber keine Christen in Deutschland leben würden, hätten wir eine vollkommen andere Gesellschaft."
Frank Heinrich (CDU) ist der erste Heilsarmeeoffizier, der in den Deutschen Bundestag gewählt wurde. Für ihn ist der Unterschied zwischen der Sozialarbeit, die er früher in der Heilsarmee gemacht hat, und der Politik gar kein so großer. Es gehe immer um die gleichen Menschen. Fraktionszwang im Bundestag ist für ihn kein Problem, weil es den nicht gibt. Wer abweichend abstimmen wolle, müsse das vorher dem Fraktionsvorsitzenden anzeigen und dann werde das akzeptiert.
Dr. Stefan Ruppert ist kirchenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Dietrich Bonhoeffer gehört zu seinen Vorbildern. Der FDP-Politiker kann seinen christlichen Glauben und seine liberale politische Überzeugung sehr gut miteinander vereinbaren. An seiner evangelischen Kirche leide er manchmal, etwa wenn wenig theologischer Aufwand betrieben werde, um eine politische Einstellung zu begründen.
Ich war dabei - Zeitzeugenlesung
Eberhard Heiße las aus seinem Buch "Durch's rote Meer und andere Wüsten" in dem er seine bewegende Lebensgeschichte als Jugendwart (Bezirksjugendreferent) und heimlicher Soldatenseelsorger in Marienberg/Erzgebirge aufgeschrieben hat. 1989 gehörte er –inzwischen Gemeindediakon in Annaberg – zu den Organisatoren der friedlichen Revolution in seiner neuen Heimatstadt, wo er 1990 einen CVJM-Ortsverein gründete.
Jugendpolitik am CVJM-Stand auf dem Markt der Möglichkeiten
Die Bundestagsabgeordneten Siegmund Ehrmann (SPD), Kerstin Griese (SPD), CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und Katharina Landgraf (CDU) besuchten unseren Stand. Der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Günter Beckstein und der frühere Bundesjustizminister Dr. Jürgen Schmude – beides CVJM-Mitglieder – schauten ebenfalls vorbei.
Weitere Fotos und Berichte zum CVJM-Engagement auf dem 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden gibt es [HIER].











