Albrecht Kaul - ein George Williams unserer Zeit
Verabschiedung des stellvertretenden CVJM-Generalsekretärs in den Ruhestand
Albrecht Kaul arbeitete seit März 1995 im Gesamtverband des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in Deutschland als stellvertretender Generalsekretär und als Referent für Programm und Mitarbeit. In den 42 Jahren christlicher Jugendarbeit wurde er insbesondere bekannt durch seine Predigten, Vorträge, die Mitwirkung bei Großveranstaltungen und in den letzten Jahren durch seine China-Reisen und die vielfältige Autorentätigkeit.
Zehn Jahre arbeitete er zusammen mit CVJM-Generalsekretär Ulrich Parzany, der zu Beginn der Abschiedsfeier am 25. April in Kassel von 140 geladenen Gästen eine kernige Andacht hielt. Der langjährige Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes sprach zu Versen aus dem Johannesevangelium zu Beginn des 15. Kapitels: Gott werde als Weingärtner die Reben reinigen, dass sie mehr Frucht bringen. Selbst nach dem Übergang in den Ruhestand erwarte Gott mehr Frucht. Diese Frucht dürfe nicht zerstört werden durch die so häufig bei Senioren anzutreffenden Eigenschaften wie Bitterkeit und Besserwisserei. In der Verbindung zu Gott könne jeder neue Tag dazu dienen, mehr Frucht zu bringen.
Es folgte ein Grußwort von Harald Bretschneider, Oberlandeskirchenrat i. R. der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Er berichtete von Kuriositäten aus der Dienstzeit nach der Diakonenausbildung in Moritzburg bei Dresden. In einem Praktikum "fand Albrecht Kaul sein Glück, den damals neuen Trabant zu fahren – in den Kurven immer nur auf zwei Rädern." Kaul arbeitete 1967 zunächst ein Jahr in Falkenstein (Vogtland) und wurde dann nach Zwickau in die Jugendarbeit berufen. Hier wirkte er zehn Jahre als Kreisjugendwart. Von 1978 bis 95 arbeitete er im Jungmännerwerk Sachsen als Landesjugendwart. Im heutigen CVJM-Landesverband Sachsen erlebte und prägte er dann als Leitender Landeswart (Generalsekretär) die Wende und die Zusammenführung der deutschen CVJM. OLKR Bretschneider sprach Albrecht Kaul einen besonderen Dank aus für seine "Initiative der Weiterbildung Ehrenamtlicher", die 1984 in ein neues Schulungsprogramm der Jugendarbeiter der Landeskirche mündete. Die hier ausgeübte "situationsbezogene biblische Verkündigung führte zu persönlichen Christusbeziehungen." Das stabilisiere menschliches Rückgrat, ermögliche den aufrechten Gang und gebe Mut zur Zivilcourage.
Kreissekretärin Turid Werrum vom CVJM in Norwegen erschien in farbenfroher Landestracht und erinnerte an die Anfänge der TEN SING-Bewegung in Sachsen. Vor genau 20 Jahren habe sie gemeinsam mit Albrecht Kaul die erste Begegnung einer norwegischen TEN SING-Gruppe mit Jugendlichen in der DDR organisiert. Freude und Angst lagen oft nah beieinander. So zum Beispiel als bei dem ersten Konzert in der Gethsemanekirche in Berlin die Tanzgruppe ausgerechnet mit den Polizisten zu tanzen begann. Ein Jahr später kamen etwa 100 jungen Sängerinnen und Sänger aus Norwegen und starteten eine Bewegung, die bis heute in 17 örtlichen TEN SING-Gruppen in Sachsen fortbesteht.
In seinem 14-jährigen Dienst beim CVJM-Gesamtverband lag Kauls besondere Beauftragung in der Begleitung von Arbeitskreisen zur Koordination der Jungschar-, Jugend- und Junge Erwachsenen-Arbeit. Arbeitskreisleiterin Regina Bäumer schmunzelte: Mit zunehmender Dienstzeit habe Albrecht Kaul sogar versucht, Jesus Christus immer ähnlicher zu werden und an verschiedenen Orten zur selben Zeit zu erscheinen. Diese Omnipräsenz sei oft bei parallel tagenden Arbeitskreisen nötig gewesen - aber leider nicht möglich. In einem bunten Programm wurden Jungscharlieder angestimmt und ein Mönchs-Chor der Kolleginnen und Kollegen trat auf, der besondere Eigenheiten von ihm auf die Schippe nahm und ein Klagelied auf die Zeit nach Albrecht Kaul intonierte. Der Redaktionskreis der Zeitschrift "Mitarbeiterhilfe" gab den Zuhörern einen Einblick in die Redaktionsarbeit und nahm sie mit in einem humorigen theologischen Disput.
Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, buchstabierte in seinem Grußwort den Namen Kaul als Abkürzung für einen "rechten Kerl voller Arbeitskraft, Unternehmungsgeist und Leistungsbereitschaft". Weiter zählte er auf: Albrecht Kaul sei "einfach überall brauchbar, dienstbereit und kompetent, als Bibelarbeiter, Kolumnist, Lastwagen-Ablader, Organisator, Projektleiter, Referent, Teamleiter …" Steeb dankte dem angehenden Pensionär ausdrücklich für die außergewöhnliche Vielseitigkeit und Verlässlichkeit. "Wir danken dir als Evangelische Allianz und SPRING und für alle Werke, die hier keine Erwähnung finden, aber von deiner Mitwirkung profitierten, für dein K-a-u-l-sein, für deine kooperative, allianzgesinnte, universelle Lebensleistung."
Abschließend ergriff Präses Karl-Heinz Stengel das Wort und erklärte die Wichtigkeit der Entscheidung von 1995, einen Referenten aus Sachsen in das Team nach Kassel zu holen: "Deine Prophezeiung, dass die CVJM und Mitarbeiter aus den neuen Bundesländern zur Bereicherung der gesamtdeutschen Arbeit werden würden, hat sich bis heute bestätigt. Wir wären sonst an vielen Stellen arm dran. Du selbst warst diese Bereicherung in Person. Du warst innovativ, umtriebig, leidenschaftlich!" Weiter betonte Stengel: "Du hast nach innen und außen vernetzt und verbunden. Das war gut und wichtig für den deutschen CVJM."
Bei der nun folgenden Verleihung der George-Williams-Medaille ging er sogar so weit, Albrecht Kaul als einen "George Williams unserer Zeit" zu bezeichnen, da beide dieselbe Mission gehabt hätten. George Williams, der Gründer des ersten CVJM 1844 in London, hatte es so ausgedrückt: "Lasst uns etwas tun gegen die konkrete Not und Ausbeutung der Arbeiterjugend, gegen die Resignation und gegen die grassierende Gottlosigkeit unter jungen Menschen." Die Verleihung der silbernen Medaille sei Ausdruck der Wertschätzung und des Dankes für den Dienst von Albrecht und Brigitte Kaul, die ihre Arbeit stets als gemeinsamen Auftrag gelebt und "in großer Treue und Liebe" erfüllt hätten.
Für Überraschung sorgte eine Beauftragung, die vom gesamten Vorstand ausgesprochen wurde. Der Vorstand des CVJM-Gesamtverbandes in Deutschland ernannte Albrecht Kaul für die nächsten drei Jahre zum "Sonderbeauftragten des deutschen CVJM für die Kontakte nach China". Bei verschiedenen Reisen in das Reich der Mitte habe er seine Liebe zu den Menschen in China gezeigt und nun mögen die Verbindungen zu den Vereinen wachsen und die CVJM-Arbeit in beiden Ländern bereichern, so Präses Karl-Heinz Stengel.




















