CVJM e/motion ausgezeichnet!
Der Essener e/motion e. V. hat den bundesweiten evangelischen Förderpreis "Fantasie des Glaubens" gewonnen.
Mit dem Preis wurden Projekte ausgezeichnet, die die christliche Botschaft zeitgemäß und innovativ verbreiten. Der Essener Verein, der seine Gottesdienste in der Borbecker Kirche St. Maria Immaculata feiert, wurde besonders für die Entwicklung neuer Gottesdienst- und Gemeindeformen und das zusätzliche soziale Engagement gewürdigt. „Wir versuchen, die große Geschichte Gottes in unsere Zeit zu übersetzen und dabei nicht vorauszusetzen, dass jeder diese Geschichte kennt“, erklärt Vorstandsmitglied Hannes Leitlein. Ein Ansatz, der die Jury überzeugte: „Die Jury ist von dem ganzheitlichen Konzept fasziniert, wie eine kleine christliche Gemeinschaft durch die gelebte Verbindlichkeit solch eine Ausstrahlung und Anziehungskraft entwickelt, dass Suchende hinzukommen und Heimat finden“, heißt es in der Begründung.
Insgesamt hatten sich 117 Projekte aus ganz Deutschland um den Preis beworben, der mit 5.000 Euro dotiert ist und von der Arbeitsgemeinschaft missionarischer Dienste vergeben wurde, einem Fachverband im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
„In denen brennt was“
Essener Gemeindeprojekt gewinnt Förderpreis der EKD
Am Ende hält es die 1.200 Zuhörer nicht mehr auf ihren Sitzen. Als Hannes Leitlein für den Essener e/motion e.V. den Förderpreis „Fantasie des Glaubens“ angenommen hatte, gab es von den Vertretern Standing Ovations für den 23-Jährigen. Nicht nur seine Dankesrede hat die Zuhörer begeistert, sondern auch das Projekt, das er vorgestellt hatte und das die Arbeitsgemeinschaft missionarischer Dienste (AMD) für besonders preiswürdig hielt. „Die Jury ist von dem ganzheitlichen Konzept fasziniert, wie eine kleine christliche Gemeinschaft durch die gelebte Verbindlichkeit solch eine Ausstrahlung und Anziehungskraft entwickelt, dass Suchende hinzukommen und Heimat finden“, begründete die Jury ihr Votum. „Man merkt denen an, in denen brennt was, da kommt was rüber. Und was brennt, kann andere anzünden“, ergänzt Bischof i.R. Axel Noack in seiner Laudatio.
Warum das so ist, verdeutlicht Hannes Leitlein in seiner Dankesrede: „Wir versuchen, die große Geschichte Gottes in unsere Zeit zu übersetzen und dabei nicht vorauszusetzen, dass jeder diese Geschichte kennt“, erklärte das Vorstandsmitglied von e/motion in seiner Dankesrede. Und noch etwas: „Wir mischen uns ins Heute ein und wollen öffentlich für Gerechtigkeit und Hoffnung stehen.“ Dafür gab es neben Anerkennung und Applaus den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis der AMD, einem Fachverband im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Viel Geld für eine Gemeinschaft, die hauptsächlich von den Spenden ihrer Mitglieder lebt, die meist zwischen 20 und 45 Jahre alt und damit nicht unbedingt Großverdiener sind.
Hauptamtliche Mitarbeitende hat e/motion nicht, alle Aufgaben – vom Stühlestellen übers Predigen bis zum Putzen und Geschirrspülen – werden von den Gemeindemitgliedern erledigt. Trotzdem ist der Verein in den 10 Jahren seines Bestehens stetig gewachsen, hat inzwischen etwa 90 Mitglieder und 90 bis 120 regelmäßige Gottesdienstbesucher. Diese Gottesdienste werden seit etwas über einem Jahr in der katholischen Kirche St. Maria Immaculata gefeiert, die e/motion vom Bistum Essen gemietet hat. „Das ist doch echte Ökumene“, meint Stefan Jung, Gründungsmitglied von e/motion und Professor für Sozial- und Diakoniemanagement an der CVJM-Hochschule in Kassel. „Wir sind in einem katholischen Gemeindezentrum und kooperieren sehr gut mit der Katholischen Kirche, auch wenn wir selbst ein Projekt innerhalb der evangelischen Kirche sind.“
Dass man einmal Mieter in einer katholischen Kirche sein würde, hätte wohl keines der Gründungsmitglieder gedacht, als vor zehn Jahren im Wohnzimmer einer christlichen Wohngemeinschaft die ersten Gottesdienste gefeiert wurden. Doch das Wohnzimmer wurde irgendwann zu klein, und so wurde vor rund sechs Jahren eine ehemalige Fabrikhalle auf dem Geländer der ehemaligen Zeche Zollverein angemietet. Damit gab es erstmals eigene Räumlichkeiten. „Wir wollten in Katernberg aber nicht nur einmal die Woche Gottesdienst feiern, sondern uns auch im Stadtteil engagieren“, sagt Stefan Jung. So entstand in Zusammenarbeit mit der Stadtteilkonferenz und dem Essener Weigle-Haus die Hausaufgabenhilfe „Kapito! Katernberg“ für Schüler der dritten und vierten Klasse.
2008 schließlich reichte auch der Platz in der Katernberger Halle nicht mehr und so ging es aus dem Essener Norden in den Westen, nach Borbeck. Der kleine Verein e/motion, in einem Wohnzimmer entstanden, war in einer großen katholischen Kirche gelandet. Auch hier begnügen sich die Mitglieder nicht nur mit wöchentlichen Gottesdiensten: Es gibt Glaubenskurse, Freizeiten, Kunstprojekte und Kleinkind-Betreuung, die für alle Bewohner des Stadtteils offen sind und gleichermaßen von Protestanten, Katholiken, Freikirchlern, Konfessionslosen und spirituell Suchenden – teils mit muslimischem Hintergrund – genutzt werden. Und nicht zuletzt wird eng mit einem indischen Kinderheim zusammengearbeitet, das indischen Kindern eine Schulbildung ermöglicht.
Diese Verbindung zwischen christlichem Leben und sozialem Engagement war für die AMD-Jury ein wichtiger Grund, e/motion auszuzeichnen. Für Stefan Jung eine Auszeichnung mit hoher Symbolkraft: „Ich finde, dass das eine kirchenpolitische Dimension hat“, erklärt er. „Die evangelische Kirche fängt an, an ihren Rändern zu suchen. Projekte, die außerhalb etablierter evangelischer Strukturen eher im Dunstkreis der evangelischen Kirche gemacht wurden und bisher eher übersehen wurden.“ Es zeige sich also ein Umdenken bei der EKD und die Bereitschaft, von kleinen, unkonventionellen Projekten und Gemeinschaften zu lernen. Eine Bereitschaft, zu der auch Hannes Leitlein die EKD-Mitglieder bei der Preisverleihung ausdrücklich auffordert: „Wir möchten Sie ermutigen. Denn da draußen gibt es Menschen, die sehnen sich nach etwas, das mit Geld und Steuern nicht zu bezahlen ist. Und das wissen Sie und das weiß ich: Das benötigt noch mehr Fantasie des Glaubens.“
Der CVJM e/motion wurde 1999 im Wohnzimmer einer christlichen Wohngemeinschaft gegründet. Der Name setzt sich zusammen aus „e“ für Essen und „motion“, also Bewegung. Der Verein hat inzwischen etwa 90 aktive Mitglieder, zu den Gottesdiensten kommen im Schnitt 90 bis 120 Besucher und Besucherinnen. Die Gottesdienste werden sonntags um 19.30 Uhr in der Kirche St. Immaculata in Essen-Borbeck gefeiert. e/motion ist Mitglied im CVJM-Westbund und im CVJM-Gesamtverband.




