EDU-HUBS - EIN PILOTPROJEKT ZUR INTEGRATION UKRAINISCHER GEFLÜCHTETER
eDU-Hubs - ein Pilotprojekt zur Integration ukrainischer Geflüchteter
Das Projekt „eDU Hubs and Mobile Centres“ unterstützt die nachhaltige Integration ukrainischer Geflüchteter in Rumänien, der Slowakei und Deutschland. Unter der Leitung von YMCA Rumänien setzen YMCA Europa, YMCA Slowakei und der CVJM Deutschland ein innovatives Modell um, das Bildung, Beschäftigungsförderung, Rechtsberatung, psychologische Unterstützung, Persönlichkeitsentwicklung und Begegnung an einem Ort vereint. Ziel ist es, Geflüchtete individuell zu begleiten und gleichzeitig die aufnehmenden Gemeinden aktiv einzubeziehen. Im Projekt werden Bedarfe analysiert, Partnerschaften aufgebaut, das Modell weiterentwickelt und auf neue Kontexte übertragen. Bis Oktober 2026 sollen mindestens 6.000 Menschen erreicht und die Lebenssituation von 1.500 Geflüchteten und Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft nachhaltig verbessert werden.
Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) sowie der Accenture Foundation kofinanziert.
„Beim Malen entstehen Begegnungen“
Wie eine kreative Idee Menschen verbindet
Eine Malwerkstatt im Rahmen des Projekts „eDU Hubs and Mobile Centres“ wurde zu einem Ort der Begegnung, Kreativität und gegenseitigen Unterstützung. Was als einmaliger Kulturaustausch zwischen deutschen und ukrainischen Traditionen begann, entwickelte sich zu einem regelmäßigen Angebot. Im Gespräch erzählen Maryna, Anna und Katrin, wie die Idee entstand, was die Malwerkstätten bewirken und warum Kreativität Menschen verbinden kann.
Interview geführt von: Katarina Seifert, Projektkoordinatorin im CVJM Schlesische Oberlausitz im Gespräch mit Maryna (ukrainische Mitarbeiterin im Projekt, zuständig für psychosoziale Angebote und Beratung), Anna (Künstlerin und Leiterin der Malwerkstätten) und Katrin (ehrenamtliche Mitarbeiterin)
Wie entstand die Idee für die erste Malwerkstatt?
Maryna:
Die Idee entstand ursprünglich als weihnachtlicher Kulturaustausch. Ich wollte eine Veranstaltung schaffen, bei der deutsche und ukrainische Weihnachtstraditionen auf kreative Weise miteinander in Kontakt kommen.
Die Advents- und Weihnachtszeit hat in Deutschland eine besondere Bedeutung. Viele Traditionen sind fest im kulturellen Leben verankert. In der Ukraine gibt es diese Adventstradition in dieser Form nicht. Deshalb war es mir wichtig, ukrainischen Familien die deutschen Bräuche näherzubringen – aber nicht durch eine klassische Informationsveranstaltung, sondern durch gemeinsames Erleben und Gestalten.
Dabei sollten sowohl deutsche als auch ukrainische Perspektiven sichtbar werden. Katrin erklärte die deutschen Weihnachtstraditionen und Anna übernahm den kreativen Teil mit einer Malwerkstatt. So entstand ein Angebot, das Kultur, Kreativität und Begegnung miteinander verbunden hat.
Anna:
Für mich war es eine große Freude, Teil dieses Projekts zu sein und meine Leidenschaft für die Malerei mit anderen Menschen zu teilen. Die Idee kam von Maryna, und ich habe sie sehr gerne unterstützt. Es war von Anfang an eine gemeinsame Arbeit vieler Beteiligter.
Katrin:
Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut. Die Advents- und Weihnachtszeit ist für mich eine besondere Zeit, und ich konnte unsere Traditionen gut weitergeben. Gleichzeitig war es spannend zu erfahren, dass diese Zeit in der Ukraine anders gelebt wird.
Die Möglichkeit, anschließend selbst ein Bild zu malen, war für mich ein besonderes Erlebnis. Obwohl ich vorher dachte, dass ich nicht gut malen kann, hielt ich am Ende ein eigenes gelungenes Bild in den Händen.
Wie wurde aus der Idee ein Angebot auf dem Dorf?
Maryna:
Die erste Malwerkstatt war schnell ausgebucht. Kurz danach entstand bereits eine zweite Gruppe. Auf Initiative von Katrin kam die Idee auf, eine weitere Malwerkstatt in Kreba anzubieten. Die Gemeinde zeigte großes Interesse, sodass wir das Angebot dort ebenfalls durchführen konnten.
Später entwickelten sich die Malwerkstätten weiter und wurden zu einem regelmäßigen Angebot in unserem Büro „Komm rein“ in Niesky. Aus einer einmaligen Veranstaltung entstand ein Ort der Begegnung, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam kreativ sein, miteinander ins Gespräch kommen und neue Beziehungen aufbauen konnten.
Katrin:
Ich lebe in einem kleinen Dorf und bin dort gut verwurzelt. Für mich ist der Kontakt zwischen Kommune und Kirche sehr wichtig. Einen solchen Malkurs gab es bei uns bisher nicht – deshalb wollte ich diese Möglichkeit auch den Menschen vor Ort eröffnen.
Mich persönlich hat der Prozess des Malens sehr berührt. Es war beruhigend, meditativ und hat mir gezeigt: Jeder Mensch kann kreativ sein.
Was haben die Teilnehmenden erlebt?
Anna:
Für mich war die Malwerkstatt viel mehr als ein Malkurs. Sie war ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Kreativität. Besonders für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, bot sie die Möglichkeit, für einen Moment Abstand vom Alltag zu gewinnen, Neues auszuprobieren und eigene Kraftquellen zu entdecken.
Die Gruppen waren sehr vielfältig: Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Lebensgeschichten kamen zusammen. Viele hatten vorher noch nie gemalt. Umso schöner war es zu sehen, mit wie viel Freude und Stolz sie ihre eigenen Werke präsentierten.
Katrin:
Die Resonanz war überwältigend. Die erste Werkstatt war fast zu klein für die vielen Interessierten. Alle waren begeistert und gingen mit einem eigenen Bild nach Hause.
Es wurde ausprobiert, experimentiert und viel miteinander gesprochen. Viele Teilnehmende wünschten sich eine Fortsetzung – deshalb planen wir bereits weitere Termine.
Was bleibt von den Malwerkstätten?
Anna:
Malen ist weit mehr als das Erlernen einer Technik. Kreativität kann Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen, eigene Fähigkeiten zu entdecken und neue Hoffnung zu schöpfen.
Gerade Menschen, deren Leben durch Krieg, Flucht und Veränderungen geprägt ist, brauchen Orte, an denen sie sich sicher fühlen, auftanken und neue Kontakte knüpfen können.
Durch dieses Projekt habe ich erlebt, wie wertvoll solche Angebote sind. Die Zusammenarbeit hat mich auch persönlich geprägt: Heute arbeite ich als selbstständige Künstlerin und Kursleiterin und möchte weiterhin Menschen durch kreative Angebote begleiten.
Besonders schön ist, dass aus der Zusammenarbeit nachhaltige Beziehungen entstanden sind. Die Begegnungen wirken über die einzelnen Veranstaltungen hinaus.
Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Anna:
Ich sehe, wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist. Viele Menschen suchen einen Ort, an dem sie zur Ruhe kommen, Gemeinschaft erleben und neue Energie gewinnen können.
Ich wünsche mir, dass die Malwerkstätten weiter wachsen und noch mehr Menschen erreichen. Es wäre schön, auch in Zukunft gemeinsam Räume zu schaffen, in denen Kreativität, Begegnung und Unterstützung möglich werden.
Die Malwerkstätten sind Teil des Projekts „eDU Hubs and Mobile Centres“, das die Integration ukrainischer Geflüchteter und die Unterstützung der Aufnahmegemeinden fördert. Das Projekt wird kofinanziert durch die Europäische Union (ESF+ Social Innovation+) und die Accenture Foundation.
Die geäußerten Ansichten und Meinungen geben ausschließlich die des Autors bzw. der Autorinnen und Autoren wieder und spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Europäischen Union oder der Agentur des Europäischen Sozialfonds wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können hierfür haftbar gemacht werden.
